Steigende Immobilienpreise sind in NPL-Märkten kein Thema

28.10.2011

Die Immobilienpreise steigen und steigen in Deutschland – so war es in den vergangenen Monaten mehrfach in der Presse zu lesen. Diese Behauptung trifft jedoch keineswegs auf die typischen NPL-Märkte zu. Ganz im Gegenteil: In strukturschwachen und ländlichen Regionen sind weiterhin fallende Preis zu beobachten.

Die Finanzkrise und die Angst vor einer anziehenden Inflation trieben Anleger 2011 vermehrt in Wohneigentum. Das führte in einigen Regionen zu Preissteigerungen am Wohnimmobilienmarkt. Während die Experten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in einer aktuellen Studie bereits wieder ein Ende dieses Trends sehen und auch in Ballungszentren stagnierende Preise prognostizieren, waren Preissteigerungen in NPL-Märkten in den vergangenen Monaten dagegen nie ein Thema. „Dort sind Immobilien tendenziell sogar noch stärker unter Druck geraten“, erklärt Stefan Butgereit, Geschäftsführer der AssetGate Real Estate Services GmbH.

Als Grund für den Preisverfall in strukturschwachen und ländlichen Gebieten nennt Butgereit den allgemeinen Trend zur Urbanisierung. Die Bundesbürger zögen vermehrt in die Städte und näher zu ihren Arbeitsplätzen hin. Typische NPL-Märkte mit hohen Wegzugsraten seien daher auch vornehmlich in Regionen mit wenigen Arbeitsmöglichkeiten zu finden. „So gibt es beispielsweise in den ostdeutschen Bundesländern Kreise, in denen ein hoher Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen ist. Dort steigen die Immobilienpreise nicht, weil schlicht kaum eine Nachfrage gegeben ist“, erläutert NPL-Experte Butgereit.

Aber auch in städtischen Gegenden könne nicht flächendeckend von stabilen oder gar steigenden Immobilienpreisen ausgegangen werden. „Dort gibt es weniger beliebte Stadtteile und Regionen, aus denen die Leute eigentlich gerne wegziehen möchten“, so Butgereit. Ein typisches Beispiel dafür seien Teile des Ruhrgebiets, wo man ein extremes Nord-Süd-Gefälle beobachten könne. „Während es im Norden sehr viele Wohnungsleerstände gibt, funktioniert der Markt dagegen im Süden.“ Insgesamt sei der Immobilienmarkt bei genauer Betrachtung viel komplexer, als dies bisweilen wahrgenommen und dargestellt werde. „Der Blick geht oft in Vorzeigemärkte wie Hamburg oder Berlin, wo gänzlich andere Rahmenbedingungen gegeben sind.“ Für die NPL-Märkte ließen sich aus den dortigen Gegebenheiten keinerlei Rückschlüsse ziehen.

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